Neulich in der Kita

Was ist eigentlich in der Kita los?

Ein Alltag in der Kita unter Berücksichtigung aller Hygienevorschriften ist definitiv anders und für alle Beteiligten, Kinder, Eltern und Fachkräfte herausfordernd. Wir sind natürlich froh, dass wir seit August wieder im gebuchten Betreuungsumfang arbeiten dürfen, um die berufstätigen Eltern zu entlasten und den Kindern die sozialen Kontakte zu ermöglichen. Die folgende Situationsbeschreibung soll deutlich machen, wie sich der Alltag der Kinder und Fachkräfte verändert hat. Um 6.50 Uhr rufen 3 Fachkräfte an, und melden sich wegen Erkältungssymptomen krank, 2 weitere haben Urlaub. Dienstplan umschreiben, Absprachen treffen, wir sind am Limit, geht aber schon irgendwie….

 

Zunächst öffnen wir um 7.00 Uhr, 7.30 Uhr und 8.00 Uhr unsere Türen und alle Kinder strömen ins Haus. Eine Fachkraft nimmt die Kinder an der Tür in Empfang, die zweite begleitet das Ausziehen in der Garderobe und den ersten Händewaschgang mit 25 Kindern. Um 8.30 Uhr ist dieser Prozess abgeschlossen. Von 8.30 bis 11.40 Uhr findet Freispiel, Frühstück, Lüften, Wickeln, Händewaschen im ständigen Wechsel statt. Dabei dokumentieren wir noch Desinfektionspläne, Besuchernamen- und Zeiten, führen Telefonate mit Eltern, weil noch Nachfragen auf den Herzen liegen. Natürlich haben wir einen Blick auf die Bedürfnisse der Kinder: Sie haben Hunger, brauchen Hilfe, sind müde, haben schlechte Laune, erleben Streitsituationen, haben Pipi in die Hose gemacht, müssen gewickelt werden, wollen kuscheln oder ihre Ruhe haben. Das ist unser Job und wir machen das aus Berufung.

 

Um 12.00 bzw. 13.00 Uhr werden die Roten und Grünen Kinder abgeholt. Jedes Kind wird von uns vorher in der Anziehsituation begleitet und am Feuerwehrtor verabschiedet, deshalb beginnt der Prozess spätestens um 11.40 Uhr. Die Eltern können nicht in die Einrichtung. Alle anderen essen zu Mittag, die meisten in Etappen, da die Abstände sonst nicht eingehalten werden können. Zwischendurch wieder Grundreinigung der Tische und Stühle. Die Turnhalle darf nur von einer Gruppe am Tag genutzt werden, aber die Kinder dürfen nicht schwitzen und singen. Wegen der Aerosole. Dann gehen wir eben raus. Glücklicherweise dürfen sich im Moment sogar die Kinder aus allen Gruppen dort treffen. Juhu! Danach alle 25 Kinder wieder ausziehen und an zwei Waschbecken die Hände gründlich waschen, noch nicht trockene Kinder wickeln, Lüften nicht vergessen, 1. Rutsche zum Abholen vorbereiten, Taschen packen, Pipihosen einsammeln und Trinkflaschen zuordnen und mit nach Hause geben. 2. Rutsche, 3. Rutsche. 4. Rutsche, usw.

 

Huch, es ist schon 17. 00 Uhr? Wieviel Zeit hatten wir eigentlich für die wirklichen pädagogischen Aufträge? Naja, die lebenspraktischen Kompetenzen haben wir auf jeden Fall gefördert. Zu Feierabend stellt man sich als Erzieher/in die Frage: „Welche Bereiche des Niedersächsischen Orientierungsplans konnte ich heute welchem Kind vermitteln?“ Wir stoßen an unsere Grenzen!

 

Nicht weil wir nicht gut ausgebildet sind, sondern weil die Auflagen für unsere Arbeit immer spektakulärer werden und die qualifizierten Fachkräfte wirklich fehlen.